HKC-Kanutin erhält Lebensrettungsmedaille

Ehrung für beherzten Einsatz in der Elbe
VON STEFANIE HOMMERS
Allein in der Elbe baden? Helga Freund schüttelt energisch den Kopf. „Ich bin vorsichtiger geworden“, sagt die passionierte Wassersportlerin, „und ich sehe überall Gefahren lauern.“ Der Tag, der für die 55-jährige Wittenbergerin alles veränderte, war der 29. Juni. Eigentlich ein ganz gewöhnlicher Nachmittag, an dem die Seniorenweltmeisterin im Kanurennsport wieder einmal zum Training ans Alte Strombad gekommen war und routinemäßig vor dem Start Wasserstand, Wind und Wellengang überprüfen wollte.

Doch dann waren nicht ihre Fähigkeiten als Kanutin gefragt, sondern ihre Erfahrung als Mitglied der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft DLRG. Helga Freund überlegte nicht lange, als sie einen vierjährigen Jungen in den Fluten versinken sah. Beherzt sprang sie in voller Montur ins Wasser, rettete das Leben des Jungen – und das zweier erwachsener Frauen, die dem Jungen helfen wollten, gleich mit.

Am Dienstag wurde sie für ihr Engagement mit der Lebensrettungsmedaille der DLRG ausgezeichnet. Eine Ehrung, die im Landesverband seit seiner Gründung 1991 erst zum zweiten Mal vergeben wurde, wie der sachsen-anhaltische DLRG-Präsident Peter Piechotta bei der feierlichen Verleihung betonte. „Was Sie getan haben, war etwas ganz besonderes“, unterstrich denn auch Landrat Jürgen Dannenberg (Linke). Der so Geehrten war der Trubel um die eigene Person indes gar nicht recht. „Ich würde jetzt lieber paddeln gehen“, bekannte sie, „das kann ich wenigstens.“ Bei ihren Dankesworten schwang dann auch ein wenig Aufregung in der Stimme mit. Bei ihrer Rettungsaktion hatte sie für solch ein Gefühl allerdings überhaupt keine Zeit. „Ich habe einfach nur gehandelt“ sagt sie im Rückblick, „und dabei sogar einiges falsch gemacht.“ Andere um Hilfe zu bitten, wäre richtig gewesen, ist sich die Rettungsschwimmerin bewusst, schließlich hat sie solche Gefahrensituationen oft genug in Theorie und Praxis durchgespielt. „Aber ich wollte nicht, dass noch mehr Leute sich in Gefahr begeben.“ Dass die für ungeübte Schwimmer und besonders für Kinder nicht unbeträchtlich ist, darauf weist Helga Freund bei ihren Paddeltouren seither immer wieder Badegäste in den Buhnen hin. „Denn viele unterschätzen das Risiko.“

Das ist bei den DLRG-Kameraden anders. Der Respekt vor dem Wasser verstärke sich durch solche Vorfälle eher noch, bekennt Hannes Hurdelbrink. Für den 14-Jährigen hat der Einsatz von Helga Freund zugleich aber auch Vorbildcharakter. „Es regt einen an, so zu trainieren, dass man selbst im Notfall auch eingreifen und helfen kann.“ Ehrenamtlich und unentgeltlich, wie alle DLRG-Mitglieder, engagiert sich Hannes Hurdelbrink; er ist einer von rund 100 Mitgliedern in der Ortsgruppe Wittenberg, die im Ernstfall wissen, was zu tun ist. Und auch wenn Helga Freund noch nicht wieder in der Elbe gebadet hat – zu Rettungszwecken würde sie jederzeit wieder in die Fluten springen.