Sommerferien 2006 hieß für 99 % aller Schüler Baden, Abhängen und Party machen.

Sommerferien 2006 hieß für 99 % aller Schüler Baden, Abhängen und Party machen.

Für uns 32 Mann jedoch hieß es wieder mal: „Are you ready… attention… GO!“  Die Europameisterschaft stand ins Haus und wir waren alle heiß darauf so erfolgreich wie möglich abzuschneiden. Schließlich mussten wir ja beweisen, dass wir den Weltmeistertitel zu Recht bekommen hatten.
Aber alles schön der Reihe nach. Nach ca. 4 Stunden reibungsloser Fahrt überquerten wir die deutsch-polnische Grenze. Hierbei eröffnete sich uns eine völlig neue Sichtweise von Straßenbau und Landschaftsgestaltung. Man muss zweifelsohne zugeben, dass man in Polen sehr angenehm und entspannt reisen kann, solange man nicht die knöchel-hohen Spurrinnen verlässt, um einen Überholversuch zu unternehmen. Dann kann es mitunter, für einen Deutschen, sehr aufregend werden. Nämlich, wenn plötzlich aus einer zweispurigen Straße eine vierspurige Straße mit einer Fahrtrichtung wird und der Gegenverkehr gänzlich unberücksichtigt bleibt. Wie schon zuvor erwähnt konnte man auch in der landschaftlichen Gestaltung gewisse Differenzen zu unserer feststellen. Hier überließen die Menschen dem
Feuer gestalterische Freiheit und waren nicht daran bestrebt es in irgendeiner Weise zu löschen. Nachdem wir auch diese Eigenheit des Landes zu Gesicht bekamen waren wir alle davon überzeugt, dass es nicht mehr, schlimmer kommen konnte. Jedoch wurden wir ein paar
Minuten später eines Besseren belehrt. Ein von der Fahrbahn abgekommener Tomatentransport bot für die nahe liegende Bevölkerung eine ideale Möglichkeit ihren Kühlschrank wieder aufzufüllen. Angesichts dieser Bilder fuhren wir „beruhigt und
entspannt“ nach Poznan. Nachdem wir schließlich am Ziel unserer Reise angekommen waren beäugten wir erst mal den Ort des Wettkampfgeschehens. Dieser war, wie zu erwarten, in einem einwandfreien Zustand und bot uns eine ideale Grundlage unser Vorhaben, Europameister zu werden, zu verwirklichen. Am Abend ereignete sich ein Vorfall, der sich wahrscheinlich nur in Polen zutragen kann. Während des Grillens besuchte uns ein leicht
opulenter Einwohner mit gezücktem Geldbündel. Dieser war von unserem Gegrillten so angetan, dass er doch tatsächlich etwas kaufen wollte. Zu seiner Enttäuschung mussten wir ihm erklären, dass es kein Verkaufsstand sei. Schließlich zog er traurig und mit verdutzter Miene von dannen. Der darauf folgende Tag begann mit einem bösen Erwachen bzw. Krabbeln. Beim Bau der Zelt am Tag zuvor bemerkten wir nicht, dass unser Zeltplatz mehr einem Ameisenhaufen glich, als einer ruhigen und beschaulichen Wiese. Dies natürlich zum Leidwesen unserer „armen“ Mädels, die beim sofortigen erblicken einer Ameise sofort Reißaus nahmen. Nach dem vergeblichen Versuch unserer weiblichen Teamkameraden die kleinen Mitbewohner zu beseitigen ging es zum ersten Mal aufs Wasser. Schließlich hatten wir in dieser Besetzung noch nie einen Wettkampf bestritten. Zu unserer Überraschung lief das Boot erste Sahne und die Verstärkung aus Riesa und Döbeln fügte sich gut in unser Boot ein. Dies ermöglichte uns auch erstmals einen Start in der Open- Klasse. Zum einen war dies die Möglichkeit zweimal zusätzlich Europameister zu werden, zum anderen aber hieß das auch für den Großteil unserer Jungs sieben Starts zusätzlich. Wir nahmen es jedoch gelassen. Schließlich waren wir heiß auf die Titel! Am Nachmittag desselben Tages studierten wir
schon einmal das gegnerische polnische Team bei der polnischen Meisterschaft. Zu unserer Überraschung schnitt die Mannschaft gar nicht mal so schlecht ab. Doch waren wir davon überzeugt, dass wir die überlegenere Mannschaft sein würden. Am Abend gingen wir dann
noch mal den Zeitplan sowie die Aufstellung für den folgenden Tag durch. Dann hieß es für uns auch schon: „Ab in die Waagerechte und Energie tanken für morgen.“. So wie am Abend davor besprochen ging es dann auch schon in den ersten Wettkampftag. Dieser begann mit
dem Open-Boot über 200m. Siegessicher wie wir waren, ging dieser natürlich prompt in die Hose. Unbehelligt davon gingen wir ins Mixrennen, da wir ja alle wussten, dass der erste Start nie eine Glanzleistung von uns war. Der zweite Start lief dann schon wesentlich besser. Die Muskeln waren locker und der Körper endlich auf gewünschter Betriebstemperatur. Dies spiegelte sich dann auch im Ergebnis wieder: „Erster Platz mit einer halben Länge Vorsprung“. Beim Verkünden dieser Nachricht viel uns allen ein Stein vom Herzen.
Schließlich ist das Mixed-Boot unsere Paradedisziplin. Eine halbe Stunde später war der zweite Lauf im Open- Bereich. Nachdem wir so souverän das Mixrennen gewonnen hatten, wollten wir dies natürlich auch im Open- Rennen wiederholen. Doch das Boot aus Poznan war stärker als wir. Demnach gelang es uns auch nicht die Platzierung umzukehren und das andere Team auf Platz zwei zu verdrängen. Was wir bis zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten war die Tatsache, dass die 20 Männer Kanadierfahrer der polnischen Nationalmannschaft
waren und so einen immensen Vorsprung hatten. Nichtsdestotrotz saß die Frustration bei allen sehr tief. Mathias realisierte, dass das Rennen nicht mehr zu gewinnen sei und änderte kurzerhand unseren Schlachtplan und setzte alles auf das Mixboot. Mit dieser Taktik gelang
uns dann schließlich auch den EM-Titel im Mix und den Vize-Titel im Open zu gewinnen. Doch Zeit zum Jubeln blieb uns nicht, da wir ja noch die 2000m vor uns hatten. Natürlich immer zur Freude unserer männlichen Mitstreiter, die ja diese Strecke auch 2mal fahren durften. Trotz der zweikilometerlangen Strecke beschlossen die Organisatoren eine 500m lange Runde als Strecke zu verwenden, um so das ganze ein wenig spektakulär zu gestalten. Dies wurde uns dann schließlich im Rennen zum Verhängnis. Nach ca. 1000m waren wir an das vordere Boot herangefahren. Bei der zweiten Wende waren wir schon fasst an ihm vorbei als der Steuermann hart nach links lenkte. Um nicht unnötig Geschwindigkeit zu verlieren hielten voll drauf, was dann kurzerhand zu einer Kollision unserer beiden Boote führte.
Nachdem wir wieder frei paddeln konnten war das andere starke polnische Team an uns schon vorbeigefahren. Unweigerlich mussten wir mit ansehen, wie die den nächsten Titel holten. Mathias war darüber so verärgert, dass er sofort sich bei Organisatoren beschwerte. Diese jedoch wiesen ihn daraufhin, dass wir disqualifiziert seien, aufgrund des Vorfalls mit dem anderen Boot. „Regel ist Regel“ waren deren Kommentar dazu. Um es den Offiziellen beim nächsten Rennen recht zu machen achteten wir diesmal akribisch darauf, dass wir ja kein Boot bedrängten. Diesmal lief alles glatt und es schien als ob wir es diesmal geschafft hätten. Ein außen stehender Zeitmesser bestätigte auch unsere Erwartungen. Die Freude hielt jedoch nur
für kurze Zeit, denn man hatte unsrem Boot eine zehn-sekündige Zeitstrafe gegeben, da wir kurz vor dem Start noch am Paddeln waren. So fehlten uns zwei Sekunden zum Titel. Am Abend versuchten uns unsere Betreuer noch mal für die kommenden Rennen am nächsten Tag zu motivieren. Schließlich gab es noch mal die Möglichkeit die Polen auf ihrer Heimstrecke wegzuputzen. Um dies auch verwirklichen zu können ging es diesen Abend noch früher ins Bett. Um sieben Uhr „nachts“ klingelt der Wecker und es ging wie gewohnt mit unserer Motivationsmusik in den letzten Wettkampftag. Beim Frühstück gingen wir noch mal unseren Schlachtplan für die 500m Rennen durch. Mathias war, trotz des immensen Vorsprunges der
Polen, davon überzeugt, dass wir es diesmal schaffen könnten. Demnach setzte er alles auf eine Karte und wollte gleich im ersten Open-Rennen die andere Mannschaft in ihre Schranke weisen. Am Startblock angekommen pushten wir uns alle nochmal so richtig hoch. Wir hatten nur noch den Sieg und die langen Gesichter der Polen vor den Augen. Schließlich ging es los: „Are you ready… Attention… GO!“ Wie in Trans zählten wir die Startschläge herunter um kurz darauf in den Streckenschlag gehen zu können. Während des Rennens feuerten wir uns alle gegenseitig an. Dies führte dazu, dass wir kurzzeitig mit den Polen gleichzogen. Diese jedoch davon unbehelligt setzten noch einen drauf und vergrößerten ihren Vorsprung, den sie schließlich bis in Ziel halten konnten. Spätestens jetzt realisierten auch die letzten, das das Team einfach besser war und wir ihnen nichts entgegenzusetzen hatten. Deswegen beschlossen wir auch unser Boot bei den nächsten Open-Rennen sicher auf Platz zwei zu fahren. Ganz im Gegensatz zum Mixboot, da gelang es uns  unseren Sieg vom Vortag zu wiederholen. Überglücklich und Zufrieden ging es endlich vom Wasser und ab unter die Dusche. Dort feierten wir schon mal ausgelassen unseren Triumph. Diese Euphorie hielt auch auf dem gesamten Weg zur Siegerehrung an. Laut grölend und Fahnen  schwenkend ging es Richtung Medaillenvergabe. Dort angekommen
waren einige der andren Teams so von uns angetan, dass sie gleich mit einstimmten. So glich die Siegerehrung mehr einem Volksfest als einer ehrenvollen Zeremonie. Nachdem der offizielle Teil vorbei war ging es zurück zu den Autos. Auf dem Weg dorthin ereignete sich noch ein sehr amüsantes Erlebnis. Jessy, Henni und Jule flirteten den gesamten Wettkampf über mit ein paar Sportlern aus Spanien. Diese waren so von den Dreien angetan, dass sie prompt die Trikots mit ihnen tauschten. Doch damit nicht genug. Als wir am Zeltplatz ankamen stürmten sie kurzerhand unsere Busse und verwendeten diese als großvolumige Partyräume. Natürlich zum Leitwesen unserer Betreuer, die endlich die Heimreise antreten wollten. Als es den Mädchen endlich gelang die partyhungrigen Spanier abzuwimmeln ging es schließlich wohlbehalten nach Halle zurück. Zumindest in zwei der drei Busse, denn der eine diente einigen unserer männlichen Mitstreiter (Markus, Robin, Tim H. und Paul M.) als Partybus. Diese hatten sich vor Antritt unserer Rückreise noch ein paar Bier gekauft, die sie mehr oder weniger genüsslich im Bus konsumierten. Diese Mischung aus Leistungssport, Wärme und Partystimmung führte bei ihnen zu einer heiteren und ausgelassenen Stimmung, sowie zu leichten motorischen Einschränkungen. Die sie natürlich während eines Staus auch kundtun mussten. Nachdem sich die vier  Partywütigen schließlich wieder beruhigt hatten konnten wir ohne größeren Zwischenfall unseren Weg Richtung Heimat vorsetzen.

Autor: Teamcaptain Tobias Meißner

 

08-2006 (2) Bild 1 Bild 4 Bild 5 EM Poznan06 1.Platz Mixed 200m Siegerehrung EM Poznan06 2.Platz 500m Siegerehrung Einmarsch EM Poznan06 2.Platz 500m Siegerehrung Einmarsch1 EM Poznan06 2.Platz 500m Siegerehrung Unsere Treuesten FANS