MZ Bericht 28.04.2016

 

Hochwasserfolgen Halles letzte Flutopfer vom Osendorfer See kehren zurĂŒck

Osendorfer See

Am Mittwochnachmittag wurden nach fast drei Jahren wieder Boote in den Osendorfer See eingesetzt.

Foto:

Lutz Winkler

Halle (Saale) –

Um ganze fĂŒnf Meter ist beim Hochwasser vor fast drei Jahren der Spiegel des Osendorfer Sees gestiegen. Das Wasser zerstörte auch vor allem die Anlage des Kanusportvereins Halle 54. Die Wassersportler sind so etwas wie Halles letzte Flutopfer geworden, denn der Osendorfer See war seither gesperrt; niemand durfte die Böschung des einstigen Tagebaulochs betreten.

Am Mittwoch haben die Kanuten aber zum ersten Mal wieder ihre Boote in den Osendorfer eingesetzt: Denn zum 20. April hatte das Landesamt fĂŒr Geologie und Bergwesen das Nutzungsverbot fĂŒr den See aufgehoben. Die vorlĂ€ufige Freigabe bezieht sich zwar nur auf einen Uferabschnitt im SĂŒden des Osendorfer Sees. Damit ist aber erstmals der Zugang zur WasserflĂ€che gewĂ€hrleistet.

„Anpaddeln“

Das offizielle „Anpaddeln“ am Mittwochabend war ein sehr emotionaler Moment, auch fĂŒr den Vereinsvorsitzenden Robin Preußler. Trotz des schlechten Wetters wurde beim ersten Training das angestammte Revier in Besitz genommen. „Über tausend Tage war unsere Anlage gesperrt. Dass wir diese Zeit als Verein ĂŒberlebt haben, ist eine wirklich großartige Leistung unserer Mitglieder“, sagt Robin Preußler. Am Dienstag hat der Vereinschef mit der Kommune als dem EigentĂŒmer der Sportanlage zunĂ€chst einen Vertrag zur einer Interimsnutzung unterschrieben.

WĂ€hrend der dreijĂ€hrigen Pause war die Zahl der Vereinsmitglieder zwischenzeitlich von einst 160 auf unter hundert gesunken. Heute aber sind es wieder 115 Knausportler, die die Durststrecke ohne eigene Anlagen gemeinsam ĂŒberstanden haben. „Ich denke, wir sind als Verein durch diese Katastrophe sogar zusammengerĂŒckt“, sagt Preußler. Beim FrĂŒhjahrsputz am vergangen Wochenende haben 80 Leute geholfen. AusdrĂŒcklich bedankt er sich beim Kutterruder-Verein und dem Wasserski-Verein am Hufeisensee, wo man ein Ausweichdomizil gefunden hatte. Doch ideal sei dies eben nicht gewesen.

Regatta-Strecke

Die Freude, wieder auf der eigenen Regatta-Strecke auf dem Osendorfer See trainieren zu können, wird fĂŒr die Kanuten und fĂŒr den benachbarten Drachenboot-Verein auch dadurch nicht getrĂŒbt, dass große Teile des VereinsgelĂ€ndes noch immer nicht betreten werden dĂŒrfen. Auch Veranstaltungen und WettkĂ€mpfe sind nicht gestattet, und die Uferbereiche außerhalb der freigegebenen FlĂ€chen dĂŒrfen weiterhin weder befahren noch betreten werden.

Im Juni 2013 war oberhalb des Osendorfer Sees ein kleiner Damm gebrochen und das PumpenhĂ€uschen wurde ĂŒberschwemmt. Die Pumpe, die seit rund 60 Jahren den Wasserspiegel in dem See ohne Abfluss kĂŒnstlich auf dem Level von 74 Metern hĂ€lt, wurde zerstört: Der See lief ĂŒber. Um die nach Monaten Hochwasser vollgesogene Böschung nicht zu gefĂ€hrden, konnten die zwei Millionen Kubikmeter Wasser nur langsam abgepumpt werden.

Tagebauloch

Mehr als ein Jahr dauerte es, das Tagebauloch wieder auf Normalhöhe zu bringen. Erst danach wurden die SchĂ€den sichtbar. Und sind es bis heute. Noch immer sind die BootshĂ€user und GebĂ€ude abrissreif. Auch fast alle großen BĂ€ume am Wasser mussten 2014 gefĂ€llt werden, sie waren abgestorben. Alles stand standen monatelang im Wasser, nicht nur Tage, wie andernorts in der Halle – im Juni vor drei Jahren.

Die Stadt hat 6,5 Millionen Euro Fluthilfe fĂŒr Abriss und Wiederaufbau beantragt. Wenn darĂŒber positiv beschieden wird, sollen die Arbeiten laut Stadtverwaltung von Ende 2016 bis Anfang 2018 ausgefĂŒhrt werden – eine lange Zeit. Dass aber die Regattastrecke wieder genutzt werden kann, nehmen die Kanusportler als Ermutigung.